Bindungsängste können sehr vielfältige Ursachen haben. Eine
der Ursachen kann darin bestehen, dass die betroffenen Menschen in einer
Familie aufgewachsen sind, deren soziale Bindungen sehr instabil waren oder in
denen ein Elternteil gefehlt hat. Der Lernprozess in Bezug auf Bindungen
beginnt schon sehr früh in der Kindheit. Häufig finden sich unter den
erwachsenen Kindern von Drogensüchtigen und Alkoholkranken Patienten mit
Bindungsängsten oder gar einem ausgeprägten Borderline- Syndrom.
Viele von Bindungsängsten betroffene Menschen besitzen ein
so genanntes ambivalentes Bindungsverhalten. Das heißt, sie sind ständig hin
und her gerissen zwischen der Sehnsucht nach Nähe und gleichzeitig dem Wunsch,
sich wieder lösen zu müssen. Hier liegt häufig die Angst vor einem
Kontrollverlust zugrunde. Wer sich innerhalb einer Beziehung öffnet, liefert
sich dem Partner auch ein Stück weit aus. Besonders Menschen, die nach einer
negativen emotionalen Erfahrung äußerst misstrauisch geworden sind, schaffen es
nicht mehr, innerhalb einer Partnerschaft ein normales Vertrauensverhältnis
aufzubauen.
Eine Bindung eingehen, heißt auch, ein Stück Verantwortung
für den Partner zu übernehmen. Diese besteht darin, dass man auch immer dessen
Wohlergehen mit im Blickfeld haben muss und bei seinen Entscheidungen Rücksicht
auf die Interessen des Partners nehmen sollte. Das empfinden einige Menschen
als unzumutbare Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit und sind deshalb
lieber auf unverbindliche Abenteuer aus, obwohl auch sie sich im Inneren nach
einer erfüllten Beziehung sehnen.
Auch verschiedene psychische Erkrankungen können die Ursache
für Bindungsängste sein. Borderline Patienten zum Beispiel haben Angst, sich in
einer Beziehung zu verlieren und ihr eigenes Ich völlig darin aufzugeben. Auch
schizophrene Menschen haben große Schwierigkeiten, eine Partnerschaft
aufzubauen. Schuld daran sind die Symptome der Krankheit selbst, die oftmals
Eigenschaften in den Partner hinein projizieren, die derjenige gar nicht hat.
Äußerst schwierig gestaltet sich das partnerschaftliche Leben mit
Alexithymikern. Diese sind außerstande, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und
nicht in der Lage, aus Worten und Körpersprache anderer Menschen Gefühle zu
interpretieren. Wer mit alexithymischen Menschen leben möchte, der sollte schon
ein ausgeprägtes Helfersyndrom haben oder selbst Alexithymiker sein. Ansonsten
könnten die in der Beziehung einseitig zu fehlen scheinenden Emotionen dem
„fühlenden“ Partner auf Dauer schwere psychische Schäden zufügen.
Alle Formen der Bindungsängste sind therapierbar. Hierfür sind jedoch
spezialisierte Therapeuten und die aktive Mitarbeit aller Betroffenen (Eltern,
Partner und Kinder) notwendig. Die Therapien sind teilweise sehr langfristig
angelegt und bieten dennoch keine Erfolgsgarantie. Das was hier zählt, sind der
Leidensdruck und die Therapiebereitschaft der von Bindungsangst betroffenen
Menschen. Erst wenn der Leidensdruck so hoch wird, dass sie erkennen, dass sie
etwas ändern müssen, kann eine Therapie angesetzt werden. Die
Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen mit Bindungsängsten freiwillig
therapieren lassen ist allerdings bei weitem nicht so hoch, wie die
Wahrscheinlichkeit, dass sie in eine völlige soziale Isolation geraten und ihr
Leben als Einsiedler fristen.