Es gibt wohl keinen Menschen, der das unangenehme Gefühl bei
einer unmittelbar bevorstehenden Prüfung nicht kennt. Doch es ist beim
Einzelnen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Bei dem Einen beschränkt sich die
Prüfungsangst darauf, darüber nachzudenken, ob man beim Lernen auch wirklich an
alles gedacht hat. Das ist völlig natürlich, denn schließlich möchte man ja am
Ende eine gute Note bekommen.
Ein Anderer kann schon tagelang vorher nicht schlafen, wirkt
zerstreut und gereizt. Schon beim Gedanken an die Prüfung bekommt er
Schweißausbrüche und die Hände zittern. Seine Erfahrungen besagen, dass er zu
Beginn der Prüfung erst einmal einen Blackout bekommt und nicht in der Lage
ist, sich zu konzentrieren. Meist ist der Gedanke an den Blackout der
eigentliche Auslöser der Prüfungsangst. Man hat das Gefühl, dass das Gehirn
durch irgendetwas regelrecht blockiert ist.
Einen Blackout zu Beginn der Prüfung kann man recht einfach
in den Griff bekommen, indem man etwas tut, das die vermeintliche Blockade
auflöst. Die erste Maßnahme ist, die Prüfer von dem Sockel herunterzuholen, auf
den man sie respektvoll gestellt hat. Auch Prüfer sind nur Menschen und
irgendwann nackt auf die Welt gekommen. Vielen Menschen mit Prüfungsangst hilft
es, wenn sie sich die Prüfer erst einmal in Unterwäsche vorstellen. Aber dann
bitte nicht laut loslachen. Das könnte falsch ausgelegt werden. Als nächstes
das Gehirn kurz mit etwas beschäftigen, was 100%ig klappt. Das könnte zum
Beispiel sein, dass man in Dreierschritten von 100 rückwärts zählt. Das geht
bei einer mündlichen Prüfung nicht? – Doch, man kann die Prüfer bitten, einem
einen Moment der Sammlung zu gewähren. Die Prüfer haben in der Regel kein
Interesse daran, jemanden durchfallen zu lassen. Meistens sind es Lehrer, die
sich mit einer hohen Durchfallquote selbst ein Armutszeugnis ausstellen und
ihre eigene Arbeit in Frage stellen würden. Diese kurze Konzentration auf
etwas, was mit der Prüfung nicht unmittelbar zu tun hat, löst die durch die
Prüfungsangst verursachte Blockade meistens binnen kurzer Zeit auf.
Ein Sonderfall beim Thema Prüfungsangst ist die praktische
Führerscheinprüfung. Das ist für viele Menschen eine wahre Horrorvorstellung.
Doch auch da gibt es wirksame Hilfe. Man kann den Fahrlehrer zum Beispiel
bitten, dass kurz vor der Prüfung jemand mitfährt, der quasi Prüfer spielt und
die Anweisungen gibt, die sonst der Prüfer geben würde. Das könnte zum Beispiel
ein Fahrlehrerkollege sein, den man allerdings meistens extra bezahlen muss.
Aber was sind schon 25 Euro zusätzlich für eine auf Anhieb bestandene Prüfung?
Eine verhauene Prüfung käme deutlich teurer.
Von medikamentöser Ruhigstellung vor einer Prüfung ist in
jedem Falle abzuraten, weil die Psychopharmaka meistens auch das Reaktions- und
Denkvermögen verlangsamen und bei fast allen die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt
ist.